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Ich wär dann soweit.

 
du siehst blass aus. verschreckt, angefixt von den letzten sekunden spürbaren glücks, bevor deine welt aus den angeln fiel. es ist wenig übrig geblieben von dem, was war. lautes singen im keller vertreibt die angst, höre ich dich flüstern. doch die zu treffenden töne sind dir ebenso unbekannt wie mir, wie ich. in deiner blässe spiegelt sich das rot des schals, eng am hals. //

du musst laufen, um nicht stehen zu bleiben, vögeln, um nicht alleine zu bleiben und essen, um nicht zu verhungern, sagte sie mir und deckte mich zu. ich hielt es für angemessen, mich zur wand zu drehen. die kühle des betons setzte meinem fortschrittsdrang die grenze, die sie zu öffnen drohte. //

eine hinter afrika verlorengegangene sonne tauchte am morgen des 32. november wieder auf, verlegen grinsend und doch ohne einen anflug schlechten gewissens. um mich zu besänftigen, hüpfte sie zunächst einige male mit großem spektakel auf und ab, ja, sie wusste um meine schwächen. durch die sonnenbrille wirkte das ganze dennoch etwas lächerlich. als ich mich gerade wegdrehen wollte, entdeckte ich ihn. aufgewühlt, versessen, dem unweigerlichen untergang sich entgegenstemmend, begann er dennoch seinen abstieg. ich öffnete die arme und schloss die augen. //

reicht mir mal jemand? oder liegt mein hunger auf 'alles anders' jeden morgen neu zwischen kaffee und schnitten auf diesem tisch herum? das stillsitzen schmeckt mir nicht. das bewegt eingekeilt sein zwischen den perspektiven anderer menschen, die nie meine sind, nie meine waren. ich werde sie nie verstehen, diese leute, die mir das essen versalzen und sich gleichzeitig über meinen durst beschweren. //

als ich zuletzt zwischen übergroßen erwartungen erwachte, senkte sich der himmel wie eine konservierende plane über meinen kopf: "lieferengpass", dachte ich. schon länger habe ich gewusst, dass es so kommen würde. aber die bewegungslosigkeit in meinen gedanken nur mit taten statt entschlüssen zu vertreiben, schien mir klein und nicht genug - denn am ende des tages würde ich abrechnen mit mir selbst, und nur der große wurf würde zählen. beim versuch aufzustehen gab der boden unter meinen füßen nach, und ich bereute es, niemals schwimmen gelernt zu haben. ich strampelte und ruderte hinaus - und meine gedanken begannen mich zu tragen. //

das gute am zuhören ist, dass man nicht redet. aber in meinem selbstgespräch gewann die stille dadurch an raum. sie hinterließ spuren auf dem teppichboden, auf der fensterbank und dem sofa in der küche, deutliche spuren, die mir bisher nur vom hören bekannt waren. sprachlos fuhr ich mit meinen gedanken über die rillen, die das echo so hinterlassen hatte. der schmerz tropfte rot. //

ab sofort verlieren alle roten und blauen gutscheine ihre gültigkeit. //

wo die angst ist, geht es lang. einmal hin und weg. wer führen will, muss vorne sein, und ich renne um mein leben. bestimmt zählt jemand die runden mit. in der vorletzten kurve überhole ich mein ego und fange an zu lachen. morgen habe ich muskelkater. //

es ist kalt geworden, aber dieser unwürdige tag nimmt jetzt ein ende. der straßenlärm hat etwas beruhigendes. mit der rechten hand fühle ich nach dem metall an meiner seite und beginne zu laufen, bergauf. es sieht so aus, als hätte ich ein ziel, denke ich und laufe schneller. neben mir wachsen die häuser aus dem boden und ich erreiche den platz über der stadt. außer atem. genauso außer atem wie sie, als sie mich schickte, diesen tag zu beenden. sie hatte keine ahnung, wie leicht mir das fallen würde. das metall schlägt rhythmisch an meine hüfte. ich wär dann soweit. //

schieß mich zum mond. wo grenzen verwischen im staub und das universum meinen wahren namen kennt. wo ich leicht werde, vielleicht, und alles mit mir. über mir der rote abend, hinter mir die nacht, vor mir du. neben mir ich. //

grau wie der himmel steht vor mir die welt. sie hat sich keine mühe gegeben. ich stehe mit einem fuß im rinnstein, drücke trotzig den rücken durch. auf dem glänzenden asphalt spiegelt sich ein kinderlachen. ein letztes mal geküßt zu haben, und sei es nur im traum, war schön. doch jetzt kann ich mich wieder nicht zwischen ihm und mir entscheiden. es beginnt zu regnen, ich entscheide mich für den traum. wenn ich die augen schließe, kann mich niemand sehen. und ich frage mich, ob alles so leer ist, wie es sich anfühlt. und wenn ja - wer das wieder auffüllt. //

 

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